Adipositas-Ernährung

Das Krankheitsbild Adipositas entwickelt sich aufgrund einer langfristig positiven Energiebilanz und wird durch den Mangel an Bewegung zusätzlich gefördert. Es gilt als erwiesen, dass Übergewichtige im Vergleich zu Normalgewichtigen nicht immer überdurchschnittlich viel Nahrungsenergie aufnehmen. Vielmehr ist ein wesentlicher Teilfaktor der Adipositas der herabgesetzte Energieverbrauch adipöser Personen.

Isolierte diätetische Empfehlungen zur Therapie der Adipositas bringen daher langfristig meist keinen Erfolg für den adipösen Patienten. Die Richtlinien der Deutschen Adipositas-Gesellschaft empfehlen eine multidisziplinäre Behandlung, die verhaltenstherapeutische Maßnahmen zur flexiblen Kontrolle des Essverhaltens ebenso einschließt wie die Anleitung zur Steigerung der körperlichen Aktivität.

Mittlerweile stehen mehrere Präparate (Arzneimittel und Medizinprodukte) als Additiv für die diätetische Maßnahme zur Verfügung. Während die neuartigen Pharmazeutika nur bei höherem BMI indiziert sind, können die vorhandenen Medizinprodukte mit physikalisch-mechanischem Wirkprinzip bei allen Graduierungen der Adipositas eingesetzt werden.

Erfassung des Ernährungsverhaltens

Vor jeder Therapie ist die Analyse des bisherigen Ernährungsverhaltens notwendig, um eine individuelle Beratung vornehmen zu können. Hierzu stehen verschiedene standardisierte Methoden zur qualitativen oder quantitativen Erfassung der Nahrungsaufnahme zur Verfügung (z.B. Diet history, 7-Tage-Ernährungsprotokoll, 24-h-Eecall, Food-frequency list). Keine der Methoden kann die Realität gänzlich dokumentieren. Das Protokollieren selbst beeinflusst das Essverhalten im Sinne einer Reduktion der gewohnten Nahrungsmenge. Ebenso werden mengenmäßig zuwenig Lebensmittel angegeben („Underreporting“). In der Praxis wird häufig auf das Führen von 7-Tage-Ernährungsprotokollen zurückgegriffen. Zur Erstellung und Auswertung von Ernährungsprotokollen stehen verschiedene Software-Programme zur Verfügung (z.B. Prodi; DGE-PC professional).

Flexibles Verhaltensmanagement statt rigider Kontr

Verhaltenspsychologische Untersuchungen zeigen, dass nur ein flexibles Diätregime langfristig erfolgversprechend ist. Die ärztliche Ernährungsberatung sollte daher immer darauf abzielen, rigide Verhaltensmuster („ab jetzt esse ich nie mehr Süßigkeiten“) auszuschalten und durch flexible Kontrollen zu ersetzen („ich esse statt einer Tafel Schokolade nur einen Riegel“). Rigide Verhaltensmaßnahmen führen zur sog. Counterregulation, d.h., bei einem Übertreten der streng gesetzten Spielregeln brechen die Vorsätze komplett zusammen („Ich kann mich nicht an meine Spielregeln halten. Jetzt ist es auch egal, ich esse soviel ich will.“). Ein flexibles Training hingegen lässt Korrekturen zu („gestern habe ich zu viel gegessen, das spare ich heute wieder ein“).

Prinzipien diätet. Empfehlungen bei Adipositas

Diätetische Empfehlungen folgen heute dem Prinzip der fettrestriktiven, kohlenhydratliberalen Ernährung. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) empfiehlt als Basisprogramm zur Ernährungstherapie:
- ausgewogene Mischkost mit mäßigem kalorischem Defizit (1200–2000 kcal/d);
- tägliches Energiedefizit sollte vor allem duch Reduktion des Nahrungsfetts erreicht werden;
- Diäten mit sehr niedriger Energiezufuhr(< 1000 kcal/d) sind für eine langfristige Gewichtskontrolle wenig geeignet und nur bei stark übergewichtigen Patienten indiziert, die aus medizinischen Gründen kurzfristig Gewicht verlieren sollen.

Eine Fülle von Anbietern haben diese Prinzipien in praktische Ernährungsempfehlungen umgesetzt. Hierzu gehören neben staatlich geförderten Organi-sationen wie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) industrielle Anbieter aus dem Lebensmittel- oder Pharmabereich oder auch private Autoren, die im Buchhandel oder in der Presse veröffentlichen. Um dem Patienten eine geeignete Empfehlung auszusprechen, sollte darauf geachtet werden, dass die Kostform den DGE-Empfehlungen zur Nährstoffzufuhr bzw. den Leitlinien der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) entspricht.

Kurzer Leitfaden zur Ernährungsanamnese:

- Wie groß sind Sie?
- Wie viel wiegen Sie?
- Seit wann besteht Übergewicht?
- Wie viele Mahlzeiten essen Sie am Tag? Wann?
- Bitte beschreiben Sie, wie sich Ihre Mahlzeiten zusammensetzen.
- Wie viel Obst, Gemüse essen Sie pro Tag oder Woche?
- Wie viel Brot, Kartoffeln, Reis, Nudeln werden pro Tag verzehrt?
- Wie viele sichtbare Fette verzehren Sie? (Streich-, Koch- und Bratfette, Salatöle)
- Wie viele Lebensmittel mit versteckten Fetten essen Sie? (insb. Käse, Wurst, Fleisch)
- Wie oft essen Sie Süßigkeiten?
- Wie viel und welche Getränke nehmen Sie zu sich?
- Wie viel Alkohol?
- Trinken Sie zuckerreiche Getränke?